Bild: Brezelpause, 2019 - Wer sind wir, wenn wir gerade nicht arbeiten? 

Die Suche nach dem Sein

Wenn man mehrmals umzieht und dadurch hinter den Kulissen von Kulturen- und Gesellschaftsbildungen blickt, wird man mit vielen Fragen konfrontiert... zum Beispiel: Was ist der Mensch eigentlich in seiner Essenz? Wenn er einfach  i s t ?  

Folgende drei Arbeiten waren soweit das Ergebnis meiner Suche nach dem Sein.   

Teil 1 - Die Introspektion

A Theory of Life - Ein Bild, ein Gedicht 2018

 

Beim Spazieren und Wandern durchquert man Raum und Zeit auf besondere Weise, welche den Zugang in neue Denkräume gewährt. Erinnerungen treffen auf das gegenwärtige Geschehen, man spürt den Puls des Lebens und die eigene Vergänglichkeit. Dies thematisiert die Arbeit dieser Trilogie A Theory of Life - Ein Bild, ein Gedicht.

Bild: A Theory of Life - Ein Bild, ein Gedicht 2018Öl auf Leinwand 120x80cm

 

 

Cogito ergo sum 

 

Die Wildnis  

Source of origin 

Natur, sich selbst überlassen 

Freedom of human control 

 

Rohe Schönheit, wild und undurchdrungen, 

Chaos it may seem at first.  

Der Betrachter soll betrachten, und erkennen, was er kann, 

A tale of dilligence and love...  

                                     ...the continuum of life in a paradoxal spiral: 

 

Es gibt nicht Wärme ohne Kälte  

Kein Licht ohne die Dunkelheit 

Es gibt kein Wiedersehen ohne Abschied 

Und kein Leben ohne Tod  

 

In jedem Ende ist ein Anfang  

In every night the dawn of day  

 

 

 

 

So life flows on  

Perpetually - as it may seem  

like water from a mountain creek,  

always fresh and always quick.  

 

Und ich, 

Ich steh nur da und schau mich um, 

Im Kopf ein kleines Wort: warum  

 

Because of love, You tell me then... 

 

You - who are, and who has always been, 

The love that binds,  

assimilating dissimilarity,  

Building a unity of all creation’s vast diversity.  

 

Dann bin ich dankbar hier zu sein 

With You my friend, the great  

                                                           I   am.  

Ausstellung:

Oktober 2018, HSLU DK Emmenbrücke 

öffentlich auf www.bergratta.ch - mittlerweile widerrufen

Teil 2 - Die Interaktion

Brezelpause 2019

Dieses Kapitel handelt mehr von der Praxis. Der Mensch   t u t   etwas, solange er lebt - sei es arbeiten, schlafen, spazieren, essen, einfach atmen - etwas wird getan.

Wie erwähnt bin ich öfters umgezogen, dabei gilt eine meiner ersten Erinnerungen in Bezug zum Arbeiten den geschäftigen Händen von "Brezelfrauen". Brezel sind nämlich ein sehr beliebtes Streetfood in meiner Heimatstadt Bukarest und wurden in den 00er Jahren noch gänzlich vor den Augen der Kunden zubereitet.  

Da im Jahr 2018 mein Grossvater schwer erkrankte und ich ihn oft in Bukarest besuchte, lebte diese Erinnerung zu der Zeit sehr fest in mir auf und war eine grosse Inspiration für die Brezelpause 2019.

In diesem Projekt wird die menschliche Existenz mit einer Brezel - einem geradlinigen Teigstrang, welcher durch einen Schwung kunstvoll zu einer Art Unendlichkeitsszeichen geformt wird - metaphorisch gleichgestellt. 

Die Brezelpause ist eine Einladung zum gemeinsamen Nachsinnen über das Mensch-Sein. Im Rahmen des Projektes habe ich einerseits eine kurzlebige, kleine Brezelmanufaktur auf dem Papieriareal in Cham ins Leben gerufen, wo sich Ausstellungsbesucher der Tätigkeit des Bretzel-Backens annehmen durften. Andererseits organisierte ich Spaziergängen mit Liegestühlen, auf einer brezelförmigen Route durch die Stadt Cham.

Beide Situationen boten einzigartige Gelegenheiten für Gemeinschaft und Austausch an.

Brezelpause 2019, interaktive Performance - Künstlerinterview https://vimeo.com/366976978 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellung:  Schichtwechsel, Master Art Teaching 

Fotogalerie: Claris und Tobias Mailänder        

 

Teil 3 - Die Abstraktion 

Ich bin. 2023

Circa 30 cm vor einer mehrheitlich schwarz gestrichenen 2x2m Wandfläche steht eine Vitrine mit Beleuchtung und quadratischem Grundriss. Scheinbar ist darin nichts ausgestellt. An der Wand wirft die Vitrine einen weissen Schatten. Die Vitrine und der Schatten bilden eine Anapher. Stellt man sich so hin, dass der weisse Schatten im Hintergrund mit den Umrissen der Vitrine verschmelzen, hat man optimale Bedingungen, um den Satz im Innenraum der Vitrine «ICH BIN.» in transparenten Lettern zu lesen. Erwachsene müssen sich ein wenig kleiner machen, um die richtige Perspektive zu finden.

Ausstellungstext:

 

Ich habe diese Vitrine 2017 bei der Ausstellung der letzten Frühlingskollektion der Schuhmanufaktur Vabeene kennengelernt.

Damals war sie noch stolz am Ausüben ihrer Funktion des Präsentierens und Schützens von Inhalten mit besonderem Wert für ihren Arbeitgeber. Schon damals war bekannt, dass ihre Dienste jedoch bald ein Ende nehmen würden.

Spätestens im Frühling 2022 war es dann so weit, als ich sie im Rahmen eines ultimativen Ausverkaufes geschenkt bekommen habe.

 

Wer ist sie jetzt, diese Vitrine?

Wer ist sie, wenn sie nichts mehr zu präsentieren hat?

Wenn sie bloss sich selbst ist? 

Genügt das oder ist das sinnentleert?

Und... darf sie das überhaupt in unserer Gesellschaft? Einfach sein?

 

Ob sie es darf oder nicht, sie tut’s – und es wirkt beneidenswert.

Sie hat nichts zu beweisen – ist einfach. Ein Gefäss, leer gefegt von fremden Federn, erfüllt von der Bewusstheit der eigenen Existenz. 

Eigentlich etwas Schönes.

Bild: Ich bin. 2023, Kunstharz auf Holz, Rauminstallation                    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellung: 

Transformation Herbst 2023